Rückblick auf 2018

Gemeinsame Projekte und politische Aktionen

2018 war wieder einmal ein ereignisreiches Jahr für das Refugee Network mit vielen spannenden Aktionen und Projekten. Besonders stolz sind wir auf unser interkulturelles Café, bei dem neben Tee und Kaffee auch immer allerhand Gesellschaftsspiele bereitstehen. Der Termin dafür ist weiterhin an jedem letzten Sonntag im Monat.

Ab März kam außerdem unser Nähcafé für Frauen in Kooperation mit Maßliebchen dazu, auf das wir uns auch in diesem Jahr wieder freuen können (Termine hierfür werden über Facebook und Instagram oder unseren Newsletter bekannt gegeben).

Über das Jahr verteilt gab es weitere Aktionen wie z.B.: Filmabende für Frauen, gemeinsames Grillen am Kiessee, offene Treffen für Mitglieder und Interessierte, ein Ausflug zu den Internationalen Gärten in Grone sowie die Beteiligung an Demos gegen Rechts.

Die gemeinsame Fahrt nach Hamburg zur antirassistischen Parade „We`ll come United“ im September war sicherlich ein besonderes Highlight. Ca. 30.000 Menschen gingen hier gegen Rassismus auf die Straße.

Darüber hinaus waren wir 2018 zu verschiedenen Gelegenheiten mit Ständen vertreten: beim Welcome Fest des IWF (Mai), bei der Kulturenmesse des Integrationsrates (Juni) und beim Bunten Göttingen (August). Immer haben wir dabei auch auf lokale und internationale politische Missstände hingewiesen – z.B. bezüglich der Seenotrettung oder der Notunterkunft Siekhöhe.

Veranstaltungsreihe zur Flüchtlingspolitik

Ein größeres Projekt im vergangenen Jahr war die von uns zwischen April und Juni in Kooperation mit dem IWF, der GHG, der Juso-HSG, Jugend Rettet e.V., dem Flüchtlingsrat Niedersachsen, dem Lampedusa-Bündnis Göttingen und Our House #OM 10 organisierte Veranstaltungsreihe „Vor den Toren Europas“. Es gab einen Fotovortrag mit Erik Marquardt, eine Lesung mit Christian Jacob, Berichte über Camps auf den griechischen Inseln Lesbos und Chios sowie die Filmvorführung „Asyland“. Den Abschluss bildete eine Kundegebung in Gedenken an die Toten im Mittelmeer. Hierbei wurde eine über 100 Meter lange Liste mit Namen von Menschen entrollt, die bei ihrer Flucht nach Europa gestorben sind.

Wieder einmal: Protest gegen die Siekhöhe

Von April bis Juni stand vor allem erneut der Protest gegen die weitere Verlängerung der Notunterkunft Siekhöhe in unserem Fokus. Nachdem der Sozialausschuss 2017 eigentlich beschlossen hatte, die Unterkunft zum Ende 2018 zu schließen, forderte die Verwaltung nun eine Weiterführung des Betriebes bis Mitte 2019. Gleichzeitig hielt sie an der Schließung der Unterkunft am IWF fest. Abermals wurde ein starkes Bündnis aus diversen politischen und bürgerlichen Initiativen gegen die Siekhöhe aktiv. Durch den breiten Protest – und nicht zuletzt durch den Druck des zivilen Ungehorsams der Gruppe Our House Nansen 1 und der Besetzung des Wohnheims am ehemaligen Goethe-Instituts –  gelang es, die Mitglieder des Sozialausschusses aufzurütteln. So wurde in dem Beschluss zumindest fixiert, dass diese Verlängerung nun endgültig die letzte sein würde. Dennoch wurde die weitere Nutzung der Lagerhalle bis Mitte 2019 beschlossen.

Im November 2018 versuchte die Verwaltung um Sozialdezernentin Broistedt erneut und gegen den zuvor verabschiedeten Beschluss, im Sozialausschuss Mehrheiten für eine weitere Verlängerung zu erlangen. Darauf ließen sich die Mitglieder glücklicherweise nicht ein. Dieser Erfolg ist sicherlich eine Konsequenz des nachdrücklichen Protests aus dem Frühjahr.

Neues Bündnis: Seebrücke Göttingen

Wie in vielen Städten in Deutschland bildete sich auch in Göttingen über Sommer 2018 eine lokale Gruppe des Bündnisses Seebrücke, in der auch wir vertreten sind. Die erste Kundgebung fand im Juli statt, eine größere Demo folgte im Oktober. Die Seebrücke Göttingen trifft sich regelmäßig jeden Donnerstag (mehr Infos und Kontakt: https://www.facebook.com/seebrueckegoettingen/). Die aktuellen Diskussionen um die Schiffe von Sea Watch und Sea Eye zeigen, dass hier weiterhin die Notwendigkeit des Protestes gegen die derzeitige Abschhottungspolitik besteht.

 

Ebenfalls über den Sommer war unser Mitglied Sascha in Bosnien unterwegs. Er unterstützte dort verschiedene Strukturen der Flüchtlingshilfe. Alle Berichte findet ihr auf seinem Blog: https://yallayallaeurope.wordpress.com/

Im August wurde auf unserer Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand gewählt. Dieser besteht nun aus Anna (1. Vorsitzende), Khorshid (2. Vorsitzende), Lena (Schatzmeisterin), Kristina (Schriftführerin) sowie Sinan, Mischa und Mandela als Beisitzer.

Den gemütlichen Jahresabschluss bildeten im Dezember wieder unsere jährliche Weihnachtsfeier (einen herzlichen Dank an Stiftung Helfen für die Unterstützung) sowie der solidarische Wintermarkt der Supporters Crew Göttingen vor der OM 10.

 

Ein großer Dank gilt an dieser Stelle unseren zahlreichen Unterstützer*innen, die sich finanziell oder mit Tatendrang bei uns einbringen. Lasst uns auch 2019 gemeinsam für eine solidarische und gerechte Gesellschaft – in Göttingen und darüber hinaus – kämpfen!

 

Kundgebung: Seebrücke Göttingen

Am Mittwoch, 18. Juli fand am Gänseliesel eine Kundgebung unter dem Motto „Seebrücke Göttingen – Schafft sichere Häfen“ statt.

Zahlreiche Initiativen, Parteien, NGOs und Einzelpersonen , insgesamt über 350 Menschen, versammelten sich, um ihre Solidarität mit der Seenotrettung zu zeigen und sich gegen die Abschottungspolitik der EU zu positionieren.

Auch wir waren natürlich vor Ort. Unsere Mitglieder Konrad und Kristina haben sich mit einem Redebeitrag und dem Verlesen einiger Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen aktiv an der Kundgebung beteiligt.

Die übergreifende Forderung aller anwesenden Menschen: #safepassage

Seenotrettung ist kein Verbrechen!

 

Unterschriftenliste & Email-Kampagne: Siekhöhe schließen!

Auf der nächsten Sitzung des Sozialausschusses (15. Mai um 16 Uhr im Neuen Rathaus) soll die erneute Verlängerung des Betriebs der Notunterkunft Siekhöhe beschlossen werden (mehr zu den Hintergründen findet ihr hier).

Das wollen wir nicht hinnehmen. Um zu zeigen, dass es breiten Protest in der Bevölkerung gibt, sammeln wir Unterschriften. Dabei brauchen wir eure Unterstützung!

Die Liste könnt ihr hier herunterladen.

Neben der Unterschriftenliste ist eine weitere Möglichkeit, den Mitgliedern des Sozialausschusses im Vorfeld zur Sitzung am 15. Mai per Mail die eigene Meinung kundzutun.
Zu diesem Zweck haben wir einen Text formuliert, den ihr gerne nutzen könnt. Natürlich steht es auch aber frei, den Text anzupassen, zu ergänzen oder einen eigenen zu formulieren.

Den Text sowie eine Liste der Emailadressen der Mitglieder des Sozialausschusses findet ihr hier.

Werdet aktiv! Es ist an euch, den Protest weiterzutragen!

Solidarität mit Geflüchteten aus dem Nonnenstieg

Wir unterstützen die Forderungen der Geflüchteten aus der Unterkunft am Nonnenstieg nach menschenwürdiger Unterbringung. Heute haben sie diese Forderungen mit einer Kundgebung vor dem Neuen Rathaus zum Ausdruck gebracht.
Jeder Mensch hat ein Anrecht auf Privatsphäre. In den Massenunterkünften ist dieses Grundrecht nicht gegeben. Deshalb unterstützen wir die Forderung nach dezentraler Unterbringung in eigenem Wohnraum.

Solidarität statt Abgrenzung! Integration statt Isolation!

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Hintergrundinformationen:

Offener Brief der Bewohner_innen der Unterkunft Nonnenstieg an den
Oberbürgermeister und die Stadt Göttingen:

Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister!

Wir sind einige Flüchtlinge aus der Göttinger Unterkunft am Nonnenstieg
72. Wir wenden uns heute mit einem konkreten Anliegen an Sie.

Wir sind besorgt über die aktuelle Maßnahme der Stadt Göttingen zur
Schließung der Unterkunft im Nonnenstieg. Die Stadt Göttingen hat
bereits begonnen, Gruppen von Menschen irgendwo anders unterzubringen.

Diese Art der Verlegung in andere Unterkünfte entspricht nicht unserem
Wunsch. Viele von uns kennen seit 2 oder 3 Jahren Aufenthalt in
Deutschland nur das Leben in Unterkünften. Die Hoffnung, nach der
beschwerlichen Flucht endlich in einem ruhigen Leben anzukommen, wird
durch die permanente Unterbringung in Massenunterkünften fast vollends
zunichte gemacht. Massenunterkünfte machen das Leben in vielen Bereichen
unerträglich und verletzen die Würde des Menschen.

Heute sagen wir: es reicht uns. Wir haben uns hier im Nonnenstieg ein
kleines Leben aufgebaut, Kontakte geknüpft und einige Initiativen und
Menschen kennengelernt. Wir wollen nicht schon wieder umverteilt und in
eine andere Gemeinschaftsunterkunft verlegt werden. Wir sagen, das Leben
in Unterkünften sollte eigentlich nach einer gewissen Zeit aufhören,
denn es macht krank.

Am liebsten möchten wir deshalb hier bleiben, bis wir eine Wohnung
gefunden haben. Eine bessere Unterstützung seitens der Stadt bei der
Wohnungssuche wäre also die bessere Lösung als die erneute Zuteilung in
eine weitere unbefriedigenden Unterbringung.

Auch wenn die uns angebotene Unterkunft in der Hannah-Vogt-Straße modern
erscheint, so müssen sich doch wieder sechs Personen drei Zimmer teilen.
Wenn wir diese Unterkunft überhaupt in Betracht ziehen sollen, dann nur,
wenn jede und jeder von uns ein Zimmer für sich bekommt.

Und auch wenn die geplante Umzugsaktion am vergangenen 05.März
kurzfristig wegen eines Tuberkulose-Falls nicht durchgeführt werden
konnte, so halten Sie doch an einer Verlegung gegen unseren Willen fest.

Wir aber haben ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben ohne
Massenunterkunft, egal, ob unser Asylantrag positiv oder negativ
beschieden wird. Nach dieser langen Zeit in der Gemeinschaftsunterkunft
wollen wir – solange wir in Deutschland sind – eine eigene Wohnung haben.

Wir bitten um Ihre Rückmeldung und Antwort auf unsere Probleme.

Mit freundlichen Grüßen
Flüchtlinge aus dem Nonnenstieg 72, 37075 Göttingen

Göttingen, Februar 2018

Presseberichte:
Geflüchtete wollen bleiben (taz vom 02. März 2018)
Kundgebung gegen Massenunterkunft angekündigt (GT vom 21. März 2018)
Flüchtlinge gegen Unterbringung in Massenunterkünften (GT vom 22. März 2018)